Auditorium der #TUN25 am Heinrich-Heine-Gymnasium Dortmund Foto: [Petra Moog].

Frag ’ne Schulbauberaterin: Die Session mit dem Raum!

Am 3. Dezember 2025 wurde das Heinrich-Heine-Gymnasium in Dortmund zum Treffpunkt für Menschen, die Schule nicht nur verwalten, sondern verändern wollen. Die siebte #TUN-Konferenz der Lehrkräftefortbildung der Bezirksregierung Arnsberg brachte Lehrkräfte, Schulleitungen und weitere Bildungsakteurinnen und -akteure aus unterschiedlichen Schulformen zusammen.

Im Auditorium stellte CLEAR-Projektleiterin Dr. Petra Regina Moog das europäische Projekt vor. Teilnehmenden. Ihr Impuls „Chancen für alle – Räume, die stärken“ setzte bei einer Frage an, die im Schulbau noch immer zu selten gestellt wird: Welche Räume brauchen Menschen, damit unterschiedliche Lernwege tatsächlich möglich werden? Dabei verband sie Erfahrungen aus dem Schulbau und aus Säule I des Startchancen-Programms mit den Zielen und Werkzeugen von CLEAR.

Raum ist keine Kulisse

Flexible Lernumgebung am Heinrich-Heine-Gymnasium Dortmund, dem Veranstaltungsort der #TUN25. Foto: Petra R. Moog.
Flexible Lernumgebung am Heinrich-Heine-Gymnasium Dortmund, dem Veranstaltungsort der #TUN25. Foto: Petra R. Moog.

Ein zentraler Denkrahmen kam von Seymour Papert und Mitchel Resnick: „Low Floor, High Ceiling, Wide Walls“. Gemeint sind niedrige Einstiegshürden, große Entwicklungsmöglichkeiten und viele unterschiedliche Wege dazwischen. Entwickelt wurde dieses Prinzip für Coding und digitales Making. Digitale Werkzeuge sollten einen einfachen Einstieg ermöglichen, zugleich anspruchsvolle Projekte zulassen und viele unterschiedliche Gestaltungswege eröffnen. Dr. Petra Regina Moog übertrug diesen Ansatz auf die räumliche Gestaltung von Schulen: Auch Bildungsräume brauchen niedrige Zugangsschwellen, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und ausreichend Spielraum für Entwicklung.

Einfache Zugänge entstehen etwa durch offene Materialien und unmittelbar nutzbare Bereiche. Breite Wände bedeuten eine Vielfalt an Lernorten von Study Hall und Makerspace bis zu Rückzug, Bewegung und Außenraum. Hohe Decken stehen für Räume, in denen Lernende ihre Möglichkeiten erweitern können. Chancengerechtigkeit ist damit nicht nur eine Frage des Unterrichts. Sie wird auch gebaut, möbliert und organisiert.

Die Praxisfragen bestimmten die Session

In der Barcamp-Session „Frag ’ne Schulbauberaterin :: Die Session mit dem Raum!“ brachten die Teilnehmenden ihre eigenen Fragen an der Schnittstelle von Schulentwicklung und Schulbau mit – von der Umgestaltung bis zum Umbau: „Unser Träger blockt – wie komme ich trotzdem weiter?“ „Wir haben Ideen, aber (noch) keinen Plan?“ „Wir haben keine Ideen, wissen aber, was wir wollen!“

Weil bei einem Barcamp niemand vorhersehen kann, wohin sich die Diskussion entwickelt, hatte Petra Moog bewusst keine lineare Standardpräsentation vorbereitet. Sie kam mit einem umfangreichen Portfolio aus 82 Folien: Unterrichtsräume, Schulbibliotheken, Außenräume, Makerspaces, Rückzugsorte und Bewegungsflächen. Dieses Portfolio war kein Programm, das vollständig abgearbeitet werden sollte, sondern ein visueller Werkzeugkasten. Je nach Frage konnten passende Beispiele geöffnet, verglichen und unmittelbar diskutiert werden. Ein Schwerpunkt war die Frage, wie Lernräume gestaltet sein müssen, damit Menschen sich wohler fühlen und Lernen besser unterstützt wird.

Genau daraus entstand der direkte Wissenstransfer. Nicht eine vorbereitete Musterlösung stand im Mittelpunkt, sondern der Dreiklang: Was ist der Kern des Problems? Was muss mit wem verhandelt werden? Was ist der nächste wirksame Schritt? Die Teilnehmenden notierten Fragen und Anmerkungen, ordneten ihre Anliegen und diskutierten sie anschließend im Plenum. So wurden abstrakte Schulbaufragen zu bearbeitbaren Aufgaben. Praxisbeispiele aus dem Startchancen-Programm zeigten zusätzlich, wie räumliche Entwicklung und pädagogische Logik zusammengeführt werden können.

Moog stellte dazu Webseiten, Werkzeuge und Praxisbeispiele aus CLEAR und vorausgegangenen EU-Projekten bereit. Die Teilnehmenden konnten die Materialien unmittelbar ausprobieren, auch digitale Angebote von LEA – Learning Environment Applications und das frei zugängliche Planungswissen von Schulbau Open Source. Wissen blieb damit nicht auf der Folie. Es wurde in konkrete Fragestellungen übersetzt und für die eigene Schule nutzbar gemacht.

Aus Austausch wird ein Netzwerk

Die Session endete nicht an der Tür des Workshopraums. Zwei Schulen signalisierten Interesse, als Botschafterschulen mit CLEAR weiterzuarbeiten. Das ist mehr als ein schöner Nebeneffekt. Es zeigt, wie Verbreitung in europäischen Projekten funktionieren kann: nicht als Einbahnstraße vom Projekt zum Publikum, sondern als Beziehung, in der Erfahrungen zurückfließen, Werkzeuge erprobt und neue Partner gewonnen werden.

Wer an der eigenen Schule vor einer Raumfrage steht, muss nicht auf den perfekten Masterplan warten. Der Anfang kann kleiner und zugleich wirksamer sein: das Problem präzisieren, die relevanten Menschen an einen Tisch holen, vorhandene Werkzeuge testen und einen nächsten Schritt vereinbaren. Raumfragen wirken oft unbeweglich bis jemand beginnt, die richtigen Fragen zu stellen.

Wissenstransfer beginnt nicht mit der fertigen Antwort, sondern mit dem echten Problem. Die #TUN25 hat gezeigt: Wenn Praxiswissen, offene Werkzeuge und konkrete Schulfragen zusammenkommen, entstehen klare Ansatzpunkte, viele Anregungen, Bilder und Materialien – und das Gefühl, dass Raumfragen beweglicher sind, als sie scheinen.

Quellen

Moog, Petra R. (2025): „Chancen für Alle – Räume, die stärken“. Präsentation zur #TUN25, Dortmund, 3. Dezember 2025.

#TUN25: Transformieren – Unterricht entwickeln – Netzwerken. Veranstaltungsseite.

#TUN25: Session „Frag ’ne Schulbauberaterin :: Die Session mit dem Raum!“.

Moog, Petra Regina (2026): Beyond Digital Making: Extending “Low Floors, High Ceilings and Wide Walls” To the Design of Learning Environments.

Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Startchancen-Programm, Säule I – Investitionen in eine zeitgemäße und förderliche Lernumgebung.

CLEAR: Compass for Learning Environments in Action and Resilience.

LEA: Learning Environment Applications.

Schulbau Open Source: frei zugängliches Wissen aus innovativen Schulbauprojekten.