PULS verbindet Fachleute aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien und zeigt, wie aus Vertrauen, Unterschiedlichkeit und langem Atem eine europäische Projektfamilie entsteht.
Hier wird Wissen nicht bewacht. Es wird geteilt, geprüft und gemeinsam weitergebaut.
Ein heller Holzraum, Menschen in einem großen Kreis, dazwischen viel Luft für neue Gedanken. Beim erweiterten PULS-Treffen in St. Arbogast wird sichtbar, was dieses Netzwerk trägt: Niemand steht im Mittelpunkt und doch bringen alle ihre eigene professionelle Perspektive ein.
Ein großer Kreis öffnet den Dialog
Vom 1. bis 3. Mai 2026 traf sich das länderübergreifende PULS-Netzwerk im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast in Vorarlberg. Im Raum standen Architekt:innen neben Pädagog:innen, Menschen aus Forschung, Schulentwicklung, Verwaltung und Beratung. Manche arbeiten seit Jahren miteinander, andere kamen neu hinzu. Der Kreis war offen – räumlich und im übertragenen Sinn. Für CLEAR brachte Nicole Wentzel im World Café die Frage ein, wie Schulbau als demokratisches Gestaltungsfeld suffizientes Handeln stärken kann.
Viele Professionen tragen eine Verantwortung
PULS steht für „Professionelle Unterstützung von Lern- und Schulraumentwicklung“. Die Wurzeln reichen zum Linzer Symposium über Raum und Lernen im Jahr 2012 zurück; damals formierte sich daraus ein interdisziplinäres Netzwerk. Heute bringt es Menschen aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien zusammen. Seine Besonderheit liegt in der Multiprofessionalität: Schulraum wird nicht als Monopol einer einzelnen Disziplin behandelt, sondern als gemeinsame Aufgabe. Damit übernahm PULS früh eine Pionierrolle.
Ein freier Kooperationsraum schafft Vertrauen
PULS ist kein Verein, keine Standesorganisation und kein Verbund mit starrer Mitgliedschaft. Es ist ein professioneller Kooperationsraum. Seit mehreren Jahren trifft sich das Netzwerk regelmäßig mindestens einmal jährlich. Die Zusammenarbeit bleibt dabei unabhängig von einzelnen Förderperioden: Förderungen ermöglichen Projekte, doch die Beziehungen tragen weiter. Gerade das verändert die Atmosphäre. Hier entsteht kein Haifischbecken, sondern eine Werkstatt, in der Wissen offen geteilt und unterschiedliche Perspektiven ernst genommen werden.
Aus Begegnungen wachsen gemeinsame Projekte
Das europäische Erasmus+-Projekt PULS+ entwickelte von 2017 bis 2020 einen transnationalen Universitätskurs für professionelle Lernraumentwicklung. Pädagogik, Architektur und Verwaltung lernten darin nicht nebeneinander, sondern miteinander. Darauf folgten weitere europäische Projekte, die Lernen und Raum aus unterschiedlichen Blickwinkeln weiterentwickelten.
LEA – Learning Environment Applications (2020–2023) entwickelte digitale, analoge und hybride Werkzeuge für kooperative und partizipative Lernraumentwicklung: unter anderem einen MOOC, eine App, ein Planspiel und ein Prozesshandbuch. MOBILE – Mobilising Innovative Learning Environments (2020–2023) unterstützte Lehrkräfte und Lehrkräftebildner:innen dabei, innovative Lernumgebungen pädagogisch wirksam zu nutzen mit Evaluation, Train-the-Trainer-Angeboten und einem Index für innovative Lernumgebungen. Heute führt CLEAR diese Entwicklung weiter. Viele seiner fachlichen und persönlichen Verbindungen sind in PULS und den gemeinsamen Vorgängerprojekten gewachsen. Projektpartnerschaften beginnen eben selten erst mit einem Antrag: Sie beginnen mit gemeinsamen Fragen, geteilten Erfahrungen und Vertrauen.
Öffnen Sie den Kreis
Gute Schulraumentwicklung beginnt dort, wo Fachgrenzen durchlässig werden. Welche Perspektive fehlt noch an Ihrem Tisch? Wer sieht die Schule anders als Sie und könnte gerade deshalb den entscheidenden Gedanken beitragen? PULS zeigt: Professionelle Stärke wächst, wenn Menschen ihre Expertise einbringen, ohne daraus ein Revier zu machen.
PULS ist Beziehungskapital für gute Schulen: Aus einem Impuls von 2012 ist ein dauerhafter, multiprofessioneller Kreis über vier Länder hinweg gewachsen. PULS+, LEA, MOBILE und CLEAR machen sichtbar, wie aus regelmäßigem Austausch konkrete europäische Projekte entstehen und wie Kooperation länger leben kann als ein einzelner Förderantrag.