Dr. Petra Regina Moog steht mit einem Mikrofon vor dem Publikum und referiert zu dem Thema "Mehr als Pause". Dieser Satz ist mit dem Untertitel "Schulhöfe als Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen" unten links eingeblendet. Foto: Stefanie Weber

Mehr als Pause: Kinder brauchen lebendige Schulhöfe

Auf der 10. Fachtagung Gartenpädagogik in Tulln im Mai 2026 zeigte CLEAR-Projektleiterin Dr. Petra Regina Moog, warum Schulhöfe nicht als Restflächen geplant werden dürfen. Wer sie begrünt, gemeinsam gestaltet und pädagogisch denkt, schafft Raum für Bewegung, Lernen, Artenvielfalt und Klimaresilienz.

Doch die Realität sieht oft anders aus: Außenflächen von Schulen werden häufig wie Restflächen behandelt, sind versiegelt, statt abwechslungsreich sind sie monoton, laut undheiß, aber eben leicht zu kontrollieren.

Raum zum Wachsen und Mitgestalten

Die Botschaft von Dr. Moog war unmissverständlich: Der Schulhof ist ein täglich genutzter Bildungsraum und damit Teil der pädagogischen, sozialen und ökologischen Verantwortung jeder Schule. Aber eben kein Anhängsel des Schulgebäudes.

Ihre Analyse vertiefte Dr. Moog anschließend mit den Teilnehmenden in zwei Workshop-Runden Im Mittelpunkt der anschließenden Session ging es um die Frage, wie bestehende Außenflächen neu gelesen und Schritt für Schritt zu lebendigen Lern- und Lebensräumen weiterentwickelt werden können. Dabei wurde deutlich: Eine tragfähige Schulhofplanung braucht Beobachtung, unterschiedliche Perspektiven und echte Beteiligung. Das geht nur zusammen mit den Menschen, die den Raum täglich nutzen.

Der Außenraum ist Teil des Lernens

Die Matrix zeigt sechs Wirkungsfelder eines naturnahen Schulhofs: Bewegung und Spiel, Wohlbefinden und Gesundheit, Lernen und Entdecken, Lebensräume und Vielfalt, Klima- und Umweltschutz sowie Gemeinschaft und Teilhabe. Für Kinder entstehen vielfältige Bewegungs-, Rückzugs- und Lernmöglichkeiten. Pflanzen und Tiere profitieren von Nahrung, Nistplätzen und unterschiedlichen Lebensräumen. Begrünung, gesunde Böden und entsiegelte Flächen unterstützen Kühlung, Wasserrückhalt und Klimaschutz. Gemeinsames Planen, Gärtnern und Pflegen stärkt Zusammenhalt, Verantwortung und die Verbindung der Schule mit ihrem Quartier.
Was ein naturnaher Schulhof für alle bedeutet: Nutzen für Kinder und Jugendliche, Pflanzen und Tiere, Klima und Umwelt sowie Gemeinschaft. Grafik: Petra R. Moog, 2026, CC BYSA 4.0.

Lebendige Schulhöfe erfüllen mehrere Aufgaben zugleich. Hier können sich die Kinder bewegen und austoben, sich aber auch zurückziehen und Kraft für die nächste Stunde sammeln und dabei die Natur erleben, z.B. Tiere, die den Schulhof als ihren Lebensraum entdeckt haben. Auf gut gestalteten Schulhöfe wachsen Pflanzen, die auch für ein gutes Luftklima sorgen. Begrünte Flächen und gutes Wassermanagement sorgen für Schatten, Verdunstung und Regenwasserrückhalt.

Urban green spaces, such as parks, playgrounds, and residential greenery, can promote mental and physical health, and reduce morbidity and mortality in urban residents by providing psychological relaxation and stress alleviation, stimulating social cohesion, supporting physical activity, and reducing exposure to air pollutants, noise and excessive heat. (Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Das heißt, urbane Grünräume fördern die körperliche und psychische Gesundheit, bieten soziale Begegnung und Bewegungsmöglichkeiten und können Belastungen durch Hitze, Lärm und Luftschadstoffe mindern.

Apropos Bewegung: Sie darf nicht auf die Sportstunde reduziert werden. Körperliche Aktivität unterstützt Bildungs- und Lernziele und wird besonders dann wirksam, wenn sie als Aufgabe der ganzen Schule verstanden wird. Ein gut geplanter Schulhof macht Bewegung zur selbstverständlichen Option im Alltag und ist mehr als ein Zusatzangebot (WHO, UNICEF und UNESCO).

Beispiel: vom Restplatz zum vielfältigen Lebensraum

Im oberen Foto sieht man einen versiegelten Schulhof, umgeben von Gebäudenmit nur einer winzigen Grünfläche. In der darunter liegenden Zeichnung gibt es auf der entsiegelten Fläche zahlreiche grüne Inseln mit Spiel- und Sitzgelegenheiten - eine Zukunftsidee für Schulfhofgestaltung
  • Die Katharina-Heinroth-Grundschule in Berlin hat ihre graue Schulhoffläche zu einem grünen Freiraum umgestaltet.
  • Die Holmen Skole in Oslo verbindet Bewegung, Natur und offene Aufenthaltsbereiche.
  • Planungsbilder vom Gymnasium am Neandertal und von der Concordia-Grundschule (Bergisch Gladbach) machen deutlich, dass Lernraum und Lebensraum aus unterschiedlichen Perspektiven gelesen werden müssen: von Kindern, Pädagoginnen und Pädagogen, Schulträgern, Planung und Betrieb.
  • Besonders konsequent ist die Biodiversity School in Boulogne-Billancourt: Der Lebensraum geht über den Rand des Schulhofs hinaus. Dach, Fassade und Außenraum werden als zusammenhängendes ökologisches System gedacht. Das ist ein anderes Verständnis von Schulbau – eines, das Lernen, Klima und Biodiversität nicht gegeneinander ausspielt.

Der aktuelle SPACES-Leitfaden von WHO, UNICEF und UN-Habitat stärkt genau diese Perspektive: Öffentliche Spielräume sind für Gesundheit und Entwicklung von Kindern wichtig; gute Planung muss Sicherheit, Spiel, Zugänglichkeit, Gesundheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenken.

Den Schulhof verstehen statt vermessen

Auf dem Foto sind acht Menschen zu sehen, die über einen Tisch gebeugt sind, auf dem sich Papier und Figuren befinden. Foto: Stefanie Weber
Foto: Stefanie Weber

Wer einen Schulhof verändern will, sollte den Spielgerätekatalog durch Fragen ersetzen: Wo entstehen im Sommer Hitzeinseln? Wo können Kinder rennen, klettern, beobachten, bauen oder sich zurückziehen? Wo versickert Regenwasser? Was wächst und lebt bereits auf dem Gelände? Und vor allem: Wer wurde bisher an diesen Entscheidungen beteiligt?

Der erste wirksame Schritt ist eine gemeinsame Bestandsaufnahme mit Lernenden, Lehrenden, Schulträger, Planung und weiteren Nutzergruppen. Partizipation ist die Voraussetzung , damit aus Fläche tatsächlich Raum wird.

Die beiden Workshops in Tulln machten den entscheidenden Schritt vom Wissen zum Handeln: Schulhöfe verändern sich nicht allein durch gute Ideen, sondern durch Menschen, die gemeinsam hinschauen, Prioritäten setzen und Verantwortung übernehmen.

Kinder brauchen keine perfekten Schulhöfe. Aber lebendige!“
Schulhöfe sind Lern-, Bewegungs-, Begegnungs- und Klimaräume. Wer sie weiterhin nur als Pausenflächen behandelt, verschenkt jeden Tag Bildungs- und Lebensqualität.

Video: Vortrag „Mehr als Pause – Schulhöfe als Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen“ (YouTube)

Präsentation zum Herunterladen Mehr als Pause – Schulhöfe als Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen“ (PDF)

Quellen

Moog, Petra R. (2026): „Mehr als Pause – Schulhöfe als Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen“. Präsentation zur 10. Fachtagung Gartenpädagogik, Tulln. CC BY 4.0.

Videoaufzeichnung: „Mehr als Pause – Schulhöfe als Lebensräume für Menschen, Tiere und Pflanzen“ (22:02 Minuten).

Natur im Garten: Fachtagung Gartenpädagogik am 30. Mai 2026 in Tulln und online.

WHO Regional Office for Europe (2016): Urban green spaces and health.

WHO, UNICEF und UNESCO (2023): How school systems can improve health and well-being – Topic brief: physical activity.

WHO, UNICEF und UN-Habitat (2026): Guide to creating urban public SPACES for children.

Grün macht Schule: Qualitätsmerkmale für naturnahe und kindgerechte Schulhöfe.